9. november

Der 9. November 1938 ist einer der beschämendsten Tage in der deutschen Geschichte. In dieser Nacht vom 9. Auf den 10. November 1938 wur­den im ge­samten Deutschland die jüdischen Gotteshäuser, die Synagogen, geschändet, verwüstet und ange­zündet.

Mindestens 267 Synagogen (nach neuesten Forschungen weit über 1000) gingen in Flammen auf oder wurden zerstört, 7.500 jüdische Ge­schäfte wurden ge­plün­dert und zerstört, 30.000 jüdische Deutsche wurden inhaftiert und in Konzentrationslager ver­bracht, von denen 800 die Haft nicht überlebten und mindestens 91 jüdische Deutsche wurden im Verlaufe des Pogroms direkt getötet.
Dies geschah nicht nur weit weg irgendwo in Deutschland, sondern auch bei uns im Saarland und im Kreis St.Wendel. In 30 saarländischen Orten fanden Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung statt. 14 Synagogen wurden verwüstet oder in Brand gesetzt. In 23 saarlän­dischen Orten fanden unzählige Überfälle auf Personen jüdischer Religion statt, wobei es zu schwe­ren Mißhandlungen und Freiheitsberaubungen kam. In 26 Orten wurde Privat- oder Geschäftsbesitz vernichtet oder beschädigt. In 13 Orten wurden während des Pogroms die jüdischen Friedhöfe ge­schändet.
In 5 Orten im Kreis St.Wendel fanden ebenfalls Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung und gegen jüdisches Eigentum statt. Dies waren Sötern, Bosen, Gonnesweiler, Tholey und St.Wendel.
Die St.Wendeler Synagoge stand in der Kelsweilerstraße neben dem heutigen Haus Nr.13. In der Nacht vom 10.11. auf den 11.11.1938 wurde sie von SA-Leuten und Nazi-Anhängern geschändet und teilweise zerstört. Laut St.Wendeler Volksblatt wurde sie am 24.11.1938 von „städtischen Ar­beitern" endgültig abgerissen.
In Bosen verlief die Gewaltorgie folgendermaßen ab: Am frühen Mor­gen des 10. November wurden alle männliche Juden des Ortes in einer Mulde am Ortsausgang zu­sammengetrieben und mussten sich in zwei Reihen mit dem Rücken zu ihren Bewachern aufstellen. Ein Schuss wurde abgegeben und die Täter, darunter auch Bosener SA-Schergen, traktierten die Män­ner mit Schlägen und Beschimpfungen. Anschließend mussten sich die gesamte jüdische Bevölkerung an der Synagoge einfinden und wurde gezwungen ihr eigenes Gotteshaus zu zerstören. Die Einrich­tungsgegenstände wurden auf die Straße geworfen und weggeräumt, Bücher Papiere und Gebets­rollen wurden auf dem Sportplatz verbrannt.
Auch in Sötern wurde noch am selben Tage die jüdischen Bürger/Innen gezwungen, ihr eigenes Gotteshaus zu verwüsten. Die Gebetsbücher und Dokumente wurden am nächsten Morgen auf dem jüdischen Friedhof verbrannt.

Die Täter waren nicht irgendwelche anonyme Fremde, sondern in den meisten Fällen gingen einhei­mische Parteigenossen (oder solche aus den Nachbardörfern) und SA-Männer gegen ihre eigenen jüdischen Mitbürger(innen) vor. Täter und Opfer waren sich in den meisten Fällen bestens bekannt.

Alle diese Geschehnisse sind in Gerichtsakten dokumentiert.

Auf Initiative unseres Vereins wird seit 2009 am Standort der ehemaligen Synagoge in St. Wendel, Kelsweilerstraße 13 durch den Landkreis St. Wendel ein Kranz niedergelegt.

Literaturhinweise:

  • Tigmann, Eva, "Was geschah am 9. November 1938?", St. Wendel  1998.
  • Wagner, Eberhard, "Marpingen und der Kreis St. Wendel unter dem Hakenkreuz", St. Ingbert 2008.
  • Tigmann, Eva und Landau, Michael, "Unsere vergessenen Nachbarn", St. Ingbert 2010.

 

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