Alois Kunz - ein Vorbild damals und heute

Alois Kunz aus Marpingen war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und wurde als solcher im Konzentrationslager Auschwitz von nationalsozialistischen Verbrechern ermordet. Er wurde mit Beschluss des Marpinger Gemeinderates vom 14.12.1995 als Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime geehrt und am 17.11.1996 wurde von der Gemeinde eine Gedenktafel an ihn am Eingang zum Friedhof neben der katholischen Kirche angebracht. Seit 1997 wird jedes Jahr am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945, durch eine Kranzniederlegung an ihn erinnert. Sein Schicksal ist in dem Buch „Marpingen und der Kreis St. Wendel unter dem Hakenkreuz – Ein alternatives Heimatbuch" von Eberhard Wagner auf den Seiten 680 – 701 sowie die Geschichte seiner nachträglichen Ehrung 1995 auf den Seiten 813 – 843 detailliert beschrieben. In den "Saarbrücker Heften" Nr.110/111 vom Sommer 2014pdf wird sein Schicksal mit dem vom langjährigen saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder verglichen.

Alois Kunz war damals wie heute ein Vorbild für Zivilcourage und mutiges Verhalten gegen den verbrecherischen Hitler-Staat. Er gab für seine Überzeugung sein Leben.

Stationen seines Lebens:

08.04.1892:
Geboren in Marpingen als drittes von fünf Kindern, Religion katholisch, seine Schwester Maria wurde 1924 Nonne im Benediktinerkloster in Kreitz.

April 1908:
Beginn einer Lehre als Bergmann auf der Grube Maybach, arbeitet dort mit Unterbrechung duch den Wehr- und Kriegsdienst bis zu seiner Entlassung 1937.

April 1912:
Beginn des Wehrdienstes bei der kaiserlichen Marine. Foto Kunz 48

1914-1918:
Teilnahme am 1. Weltkrieg, Kriegsverletzungen durch Granatsplitter an Armen und Beinen. Sein Bruder Johann fiel 1915 bei Verdun.

09.02.1919:
Eintritt in den SPD-nahen Verband der Bergarbeiter Deutschlands, bis 1935 Leiter der Zahlstelle Marpingen des ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund).

17.05.1919:
Heirat mit Katharina Dewes aus Marpingen, 3 Kinder (Heinrich 1920, Alois 1923, Katharina 1927).

01.02.1920: USPD-Ausweis Kunz
Eintritt in die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands), nach deren Wiedervereinigung mit der SPD 1922 Mitglied in der SPD.

1933/1934/1935:
Aktives Mitglied der Status quo-Bewegung, um den Anschluss des Saargebietes an Hitler-Deutschland zu verhindern. Bekämpft die „Deutsche Front".

21.10.1934:
Organisator der einzigen Kundgebung der   „Einheitsfront" (Zusammenschluss der Gegner(Innen) des Anschlusses an Hitler-Deutschland) im Kreis St. Wendel. Max Braun (Vorsitzender der SPD) und Fritz Pford (KPD Bezirksleiter Saar) sprechen in Marpingen.

1934:
Wird in Nazi-Zeitungen öffentlich als Separatist beschimpft,verunglimpft und bedroht. Deutsche Kumpel Nr 7 v 280734 0002
So konnte man z.B. in der Nazi-Hetzschrift "Der deutsche Kumpel" Nr.7 vom 28.07.1934 u.a. Folgendes über Alois Kunz lesen:
"Der Bergmann Alois Kunz aus Marpingen, auf Grube Maybach beschäftigt, hat ... vor einigen Monaten ... sein Talent als Werber für den 'Status quo' entdeckt. ... Kunz benützt für seine Werbemethode besonders die Eisenbahnfahrten von und zur Arbeitsstelle. Die Gelegenheit scheint ihm dann besonders günstig zu sein. Die Arbeiterzüge sind alle gut mit Bergleuten besetzt und kaum ist Kunz eingestiegen, so beginnt er auch schon mit seiner 'Status-quo-Politik'. Die Hetzreden und Verleumdungen gegen unser neues Deutschland und dessen Führer könnten einen Matz Braun in den Schatten stellen. Zu gleicher Zeit werden dann reichlich mitgebrachte separatistische Zeitungen verteilt. Da Kunz fast alle Bergleute im Zuge kennt, müssen diese mit beispielloser Energie seine Hetze über sich ergehen lassen. Wehe dem, der nur ein Wort des Mißfallens äußern würde, am folgenden Tage wäre er durch Roullieri brotlos gemacht. Herr Separatist Kunz! Lassen Sie sich das gesagt sein. Die deutschen Bergleute an der Saar werden Ihnen den Gefallen nicht erweisen, Ihre Prämien vergrößern zu helfen. Unsere Kumpels kennen ihre Pappenheimer. Sie werden Ihnen am 13. Januar 1935 ihre Antwort geben. Herr Separatist Kunz! Steigt Ihnen die Schamröte nicht in das Gesicht, wenn schon die Bewohner Ihres Heimatortes Sie derart verachten, daß sie beim Vorbeigehen auf den Boden spucken."
Der Deutsche Kumpel war eine Nazi-Hetzschrift, die wöchentlich erschien und hauptsächlich in Saarbrücken und Völklingen verkauft wurde. In diesem Hetzblatt wurden Woche für Woche Status quo'ler öffentlich mit Namen genannt, verunglimpft und persönlich beschimpft. Dies ging oft bis in den privaten und persönlichen Bereich, wobei Frauen, die sich gegen die Nazis engagierten, als Huren und Kommunistenliebchen bezeichnet wurden.
Aus dem Hetzartikel kann man ersehen, welch schweren Stand Menschen hatten, die sich gegen den Anschluss des Saargebietes an Hitler-Deutschland aussprachen. Insbesondere auf dem flachen Land, wo die Zahl der Status quo-Verfechter äußerst gering war. Kunz war über die Grenzen von Marpingen und des Kreises St. Wendel hinaus als Aktivist des Status quo bekannt.

nach 13.01.1935:
Kunz agitiert weiterhin gegen Nazi-Deutschland. Das geht z.B. aus einem Schreiben des Ortsgruppenleiters der Marpinger NSDAP vom 18. Mai 1936 hervor. Dort steht u.a. "...Kunz hat sich in der Abstimmungszeit als fanatischer und unbelehrbarer Statusquoler in Gegensatz zur geschlossenen Ortsgemeinschaft gestellt und somit das Recht verscherzt, sich zum Wortführer der Allgemeinheit in irgendeiner Sache machen zu dürfen. Heil Hitler ... Hahn"
Schreiben OGL vom Mai 1936, Quelle "Marpingen und der Kreis St. Wendel unter dem Hakenkreuz"

Wer Status quo`ler und als Separatist abgestempelt war und zudem auch noch seine Abneigung gegen den Hitler-Staat zeigte, hatte in der Dorfgemeinschaft keine Rechte mehr.

31.05.1937:

Entlassung aus der Grube Maybach.
Sein Widerstand gegen das Nazi-Regime kostete ihn auch im Mai 1937 seine Ar­beitsstelle auf der Grube Maybach. Die Saargruben Aktiengesellschaft kündigte ihm zum 31. Mai 1937 das Arbeitsverhältnis auf. Kunz war vom 08. April 1920 bis zum 10. Dezember 1933 "Hauer" unter Tage, war dann vom 11. Dezember1933 bis zum 22. März 1934 "Wagenschmierer", übte dann bis zum 31.03.1935 die Funktion des "Telefonisten" aus und arbeitete vom 01. April 1935 bis zu seiner Entlassung als "Klauberer". Sein letzter Lohn für den Monat Mai 1937 betrug brutto 109,02 RM, wovon nach Verrechnung der Abzüge von 82,01 RM noch ein Betrag von 27,01 RM ausgezahlt wurde. Für Juli und August 1937 erhielt er noch für 56 Tage zweimal Arbeitslosenunterstützung, für Juli 25,20 RM und für August 14,-- RM. Danach war er ohne Einkommen und mußte seine Familie mit der kleinen Land­wirtschaft durchbringen. Das Regime zeigte seinen Gegnern schon, wo der "Hase läuft". So wie Kunz erging es hunderten nicht angepasster Bergleute, obwohl zur gleichen Zeit Arbeitskräfte für die Gruben gesucht und eingestellt wurden.
Auch in der Folgezeit hielt Kunz offenbar nicht den Mund und seine bekannte Gegnerschaft zum Regime wurde auch wohl bei einem Nachbarschaftsstreit ausgenutzt. Der 16-jährige Sohn Alois junior, wurde beschuldigt mit einem Gewehr auf den Nachbarn geschossen zu haben. Daraufhin gab es eine Hausdurchsuchung durch den Ortsgruppenleiter Hahn und den Polizeihauptwachtmei­ster Dürr mit seinen Gehilfen. Man durchsuchte unter wüsten Drohungen alle Räume, wobei man Schränke, Truhen und Betten durchwühlte und ein Chaos hinterließ und sogar mit aufgepflanzten Bajonetten und Stangen den Heuvorrat durchstöberte. Ein Gewehr wurde keines gefunden und die Schergen mussten unverrichteter Dinge abziehen

September 1939:
Denunziation durch den Marpinger Ortsgruppenleiter der NSDAP.
Das geht aus einem Schreiben von ihm von Dezember 1939 an den Amtsbürgermeister hervor. Darin äußerte sich der Ortsgruppenleiter u.a. folgendermaßen:
"Betr: Kunz Alois, Marpingen, zurzeit im Konzentrationslager: Der Genannte hat während der Abstimmungszeit auf der Grube Maybach gearbeitet als Bergmann. Durch sein franzosenfreundliches Benehmen, wurde derselbe im Jahre 1933 als Telefonist dorten beschäftigt. ... In diesem Sinne betätigte sich auch Kunz in Marpingen wo er während der ganzen Abstimmungszeit bis zum Schluss, der gefährlichste Gegner der Rückgliederung war. Fast alle Gegner meiner Ortsgruppe, haben sich wenigstens nach der Rückgliederung einigermaßen den Verhältnissen angepasst, nur nicht Kunz. Bei jeder Gelegenheit wo es nur möglich war, hat Kunz gegen die jetzige Regierung ge­arbeitet. ... Kunz zeigte auch nicht das geringste Verständnis für die heutige Regie­rung. ... Trotzdem nun der Krieg ausgebrochen war, liess Kunz nicht von den unver­schämten Beleidigungen und Drohungen gegen das System ab. Infolgedessen sah ich mich gezwungen, um der Bevölkerung Willen, Anzeige zu erstatten was dann zu seiner Festnahme führte. Sein freches Benehmen gegenüber der Staats­polizei brachte ihn ins Lager. Der Familie gehört ja größtes Mitgefühl, aber trotzdem ist derselbe ohne eine Besserung in der Öffentlichkeit nicht tragbar, da die anständige Bevölkerung ein solches Benehmen grundsätzlich ablehnt."
Diese Denunziation bedeutete das Todesurteil von Alois Kunz.

08.09.1939:
Verhaftung durch die Gestapo Saarbrücken wegen „staatsfeindlicher Äußerungen – Vergehen gegen das Heimtückegesetz".

22.09.1939:
Einlieferung in das KZ Sachsenhausen. Er erhält die Häftlingsnummer 2728. Erst Mitte Oktober erfährt die Familie, dass der Vater sich im KZ Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin befindet. Er sollte dort fast drei Jahre bleiben, bis zum 25.08.1942.

25.11.1939: Todesanzeige Katharina Kunz vom 23.11.1939
Seine Tochter Katharina wird zusammen mit ihrer Freundin von einem Wehrmachts- LKW überfahren. Der Fahrer war betrunken. Die Familie erhält 640,98 RM Entschädigung. Alois Kunz erfährt vom Tod seiner Tochter erst einen Tag nach deren Beerdigung. In seinem Brief aus dem KZ Sachsenhausen schreibt er:
„28. November 1939. Liebe Mutter, lieber Heinrich und lb. Alois. Hart betroffen habe ich heute Morgen die schreckliche Nachricht erfahren, die uns betroffen hat. Bis jetzt habe ich alle Leiden meiner Verhaftung leicht ertragen in dem Gedanken an meine liebe Familie. Und jetzt diese Nachricht. Leider ist es mir nicht vergönnt gewesen mit Euch an der Bahre unserer lb. Katharina zu beten, Ihr das letzte Geleit zu geben und an Ihrem Grabe von Ihr Abschied zu nehmen. Aber wir müssen auch wieder tapfer sein und nicht verzweifeln. Wir müssen versuchen zu vergessen was nun einmal nicht zu ändern ist. Liebe Mutter, tröste dich, noch hast du zwei Söhne, auf die wir unsere Zukunft und Hoffnung aufbauen können. Denke an deine Gesundheit, unterlasse alle schweren Arbeiten, damit du der Familie noch lange mit Rat und Tat zur Seite stehen kannst. Versuche jemand zu finden der dir Arbeit verrichtet im Hause, und falls Alois zur Schule geht, auch jemand der das Vieh füttert. Wenn es längere Zeit dauert mit mir, müssen wir ja doch die Wirtschaft aufgeben. Also liebe Mutter habe Mut und ertrage unseren Schmerz mit Würde. Der heutige Tag war der schlimmste meines Lebens. In Gedanken stand ich bei Euch am Grabe der Katharina. Schreibt mir bitte sobald als möglich wie es geschehen ist. Damit will ich schließen, kann Euch heute nicht mehr schreiben. In tiefem Schmerz Euer Vater."

1939/1940:
Seine Ehefrau Katharina versucht durch Eingaben seine Befreiung zu erreichen, was der Marpinger Ortsgruppenleiter und der damalige Landrat verhindern.

26.08.1942:
Überstellung aus dem KZ Sachsenhausen in das Vernichtungslager Auschwitz. Kunz erhält dort die Häftlingsnummer 61637. Wahrscheinlich musste er im Nebenlager Grube Jawischowitz, einem der mehr als 40 Nebenlagern des KZ Auschwitz, schwerste Zwangsarbeit leisten. Er war zu dem Zeitpunkt 50 Jahre alt und "bergfertig". Kunz war schon bei seiner Einlieferung ins KZ Sachsenhausen ein kranker Mann und nach 3-jähriger Haft dort dürfte sein Gesundheitszustand bestimmt nicht besser geworden sein. Dennoch musste er unter primitivsten Bedingungen nun in Auschwitz schwerste Zwangsarbeit leisten.

06.09.1942:
Alois Kunz schreibt seinen ersten und einzigen Brief aus Auschwitz, abgestempelt am 10.09.1942. Der Brief lautete:
„M. lb. Katchen, teile dir mit, daß ich noch gesund und munter bin aber von dir und den andern Lieben schon über 3 Wochen nichts mehr gehört habe und meine Gedanken immer bei Euch. Heinrich hat mir aus Finnland geschrieben. Wo ist denn jetzt der Alois. Wie geht es Euch allen. Wie du siehst bin ich nicht mehr in Sachsenhausen. Wie weit seid ihr mit der Ernte? In der Hoffnung auf ein baldiges gesundes Wiedersehen verbleibe ich mit den besten Grüßen Euer Vater. Grüße an Alle die nach mir fragen."

21.10.1942:
Einlieferung in den Krankenbau in Auschwitz wegen Beinbrüchen und Unterernährung. Kunz ist nicht mehr arbeitsfähig.
Auszug Röntgenbuch KZ Auschwitz, Quelle Archiv Gedenkstätte Oswiecim

Der Befund lautet: Aszitesleiden, Fractura Fibulae mit Tibia in articulatio, was bedeutet "Bauchwassersucht, Schien- und Wadenbeinbruch im Gelenk". Das war das endgültige Todesurteil für Alois Kunz, denn Menschen, die nicht mehr arbeitsfähig waren, kamen in Auschwitz in die Gaskammer oder wurden im Krankenbau mit Phenolspritzen mitten ins Herz direkt ermordet.

23.10.1942:
Ermordung im Konzentrationslager Auschwitz.
Dass Kunz mit einer Phenolspritze Sterbeurkunde von Alois Kunz 52getötet wurde, lässt die Sterbeurkunde Nr. 37203/1942, die im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz aufbewahrt wird, vermuten, denn der den Sterbeeintrag veranlassende Arzt war der "Doktor der Medizin Kremer".
Der Doktor der Medizin Johann Paul Kremer, SS-Obersturmführer, Dr. phil. und Dr. med., Professor an der Universität in Münster, der den Tod von Kunz laut Sterbeurkunde anzeigte, kam Ende August 1942 ins KZ Auschwitz als SS-Lagerarzt und führte dort „Experimente" an Häftlingen über Leber­schwund und Hungerkrankheiten durch. Er ließ chronisch unterernährte Häftlinge, wie Kunz wahrscheinlich einer war, durch Phenolspritzen ins Herz töten, und ließ unmittelbar nach dem Tod bestimmte Organe zu "Forschungszwecken" entnehmen. Er führte ein Tagebuch, das ebenfalls im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz aufbewahrt wird. Der entsprechende Eintrag darin lautete dann: "Heute lebendfrisches Material von menschlicher Leber und Milz sowie von Pankreas fixiert." Solche Eintragungen wiederholen sich mehrfach. Zu den für die "Versuche" selektierten Opfern, die er Kaninchen nannte, soll er höflich gewesen sein und sie mit "Sie" angeredet haben. Vom Obersten Nationalgerichtshof Polen in Krakau wurde er am 22.12.1947 zum Tode verurteilt, später zu lebenslang begnadigt und im Januar 1958 an die BRD ausgeliefert. Hier wurde er von einem deutschen Gericht zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, wobei ihm jedoch die Haftstrafe in Polen ange­rechnet wurde und er ein freier Mann war. Er hat Kunz um viele Jahre überlebt.
Todesort ist auf der Sterbeurkunde „Auschwitz, Kasernenstraße", angegeben. Das war die offizielle Postanschrift des KZ. Als Todesursache ist „Herzklappenfehler" angegeben, eine von vielen erfun­denen und willkürlich in die Sterbeurkunden aufgenommenen Todesursachen. Sie wurden nur zum Schein eingetragen, was im Falle Kunz das Röntgenbuch belegt.
Der Standesbeamte Quakernack, Walter Konrad, SS-Oberscharführer, der die Sterbeurkunde unterzeichnet hat, war von Juni 1940 bis 1944 im KZ Auschwitz und war dort Leiter des Krematoriums I des Lagerstandesamtes. Er wurde vom Britischen Militärgerichtshof zum Tode verurteilt und am 13.12.1945 hingerichtet.

Frau Kunz wurde mit Post aus Auschwitz, Poststempel 28.10.1942, über den Tod ihres Gatten informiert. In dem Brief ist zu leseni:
"Ihr Ehe­mann meldete sich am 19.10.42 krank und wurde darauf unter Aufnahme im Kran­kenbau in ärztli­che Behandlung genom­men. Es wurde ihm die best­mögliche medi­kamentöse und pflege­rische Behandlung zuteil. Trotz aller ange­wendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. Ich spre­che Ihnen zu die­sem Verlust mein Beileid aus. Ihr Ehe­mann hat keine letzten Wünsche geäußert. Ich habe die Gefangeneneigentumsverwaltung meines Lagers ange­wiesen, den Nachlass an Ihre Anschrift zu senden. Die Todesurkunde wird Ihnen in den nächsten Tagen zuge­sandt. Der Kommandant i.V. Unterschrift, SS-Hauptsturmführer."

Zynischer kann eine Todesbenach­richtigung nicht mehr sein!

Mitte November 42 wurde dann in einem weiteren Brief, datiert vom 06.11.1942, aus Auschwitz eine Sterbeurkunde geschickt. In diesem standardi­sierten Schrei­ben, in das lediglich die persönlichen Daten eingetippt waren, hieß es:
"Ihr Ehemann ..., geb. am. 8. April 1892, ist am 23.10.42 an den Folgen von Herzklappenfehler im hiesigen Kranken­haus gestorben. Die Leiche wurde am 26.10.42 im staatlichen Krematorium eingeäschert. Falls Sie das Übersenden der Urne mit den Aschenresten des Verstorbenen wünschen, dann ist von Ihnen eine Bescheinigung der dortigen Friedhofsverwaltung einzusenden. Aus dieser Bescheinigung muss hervorgehen, dass dort eine Stätte für die Beisetzung vorhanden ist. Nach Eingang der Bescheinigung wird die Urne der Friedhofsverwaltung kostenlos übersandt. Die Friedhofsverwaltung wird rechtzeitig von dem Versand verständigt. Die Sterbeurkunde wird Ihnen anliegend überreicht."

Dieses Schreiben erweckt den Anschein der Normalität. Gegen Bescheinigung würde sogar die Urne mit der Asche des Verstorbenen übersandt. Das ist makaber, wenn man weiß, wie in Auschwitz die Ermordeten „entsorgt" wurden. Ein Krankenhaus gab es in Auschwitz auch nicht! Es war ja gerade Ziel, die Kranken und Schwachen nicht mehr am Leben zu erhalten.Verzeichnis der Nachlass-Sachen

Mit Datum vom 27.11.1942 schließlich, in Auschwitz abgesendet am 01.12.1942, schickte die Verwaltung des KZ Auschwitz ebenfalls in einem standardisierten Brief, die "Nachlassachen des verst. Häftlings Nr. 61637 Kunz Alois, geb. 8.4.92 ... Ein Nachlassverzeichnis liegt dem Paket bei." Der Empfang der Sachen sollte mit einer Empfangsbestätigung nachgewiesen werden.
Alles mußte seine deutsche Ordnung haben!
Nach 3 Jahren KZ Aufenthalt wurden die Kleider, die Kunz bei seiner plötzlichen Verhaftung am 08. September 1939 am Leibe hatte und mitnehmen konnte, zurückgeschickt: 1 Koffer, 1 Hut, 1 Rock, 1 Hose, 1 Weste, 1 Pullover, 2 Hemden, 1 Unterhose, 1 P. Schuhe, 1 P. Stümpfe, 1 Brotbeutel.
Das war aber noch nicht genug der Ordnung. Am 17.02.1943 übersandte mit Postanweisungi die "Häftlings-Geldverwaltung" des KZ Auschwitz 57,59 RM an Frau Kunz. Ihr Mann hatte im Konzentrationslager ein „Vermögen" von 58 RM angehäuft, wovon dann noch das Porto von 0,41 RM abgezogen wurde.

Hier der Beitrag aus den "Saarbrücker Heften" Nr. 110/111 vom Sommer 2014, in dem das Schicksal von Alois Junz mit dem von Franz-Josef Röder verglichen wird.pdf

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