Das alternative Heimatbuch

„Schwere Zeiten erfordern besondere Aktivitäten. Wir müssen aufstehen und zeigen, dass wir mehr sind, als diese rechtsradikalen Schreier und Pöbler. Deshalb setzt unser Verein zusammen mit der Gemeinde Marpingen ein Zeichen“, so der Vereinsvorsitzende Eberhard Wagner in seiner Begrüßung. In den nunmehr 10. Marpinger Mühlengesprächen präsentierte der Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“ zusammen mit der Gemeinde Marpingen und unter Mithilfe der Kreissparkasse St. Wendel "Songs gegen Rechts", dargeboten von dem bekannten Künstler Jürgen Brill und seiner Band „Brillant". IMG 20180921 WA0002
„Blickt man nach Chemnitz oder Köthen oder verfolgt, was AFD-Mitglieder und andere rechte Politiker so von sich geben, kann einem Angst und Bange werden", so Wagner weiter in seiner Begrüßung. Wie im Saargebiet der 1933er und 1934er Jahre scheine eine schleichende Nazifizierung in den Herzen und Köpfen beträchtlicher Teile der Bevölkerung statt zu finden. Davon seien offensichtlich auch Teile der Sicherheitsbehörden nicht mehr ausgenommen. Im damaligen Saargebiet mündete diese Entwicklung dann am 13. Januar 1935 in dem über 90%igen Bekenntnis der Saarländer(innen) zu Hitler-Deutschland. „Wer kann denn heute noch ausschließen, dass die ein oder andere sogenannte bürgerliche Partei bei der nächsten Wahl mit der AFD koaliert?“, so die provozierende Frage des Vorsitzenden. Und was wäre, wenn wir dann eine(n) Innenminister(in) dieser rechtsradikalen Partei hätten? Österreich und Italien hätten es schon vorgemacht. Neueste Umfragen zeigten, dass die AFD schon zweitstärkste politische Kraft in Deutschland sei. Die Menschen in der übervoll besetzten „Alten Mühle" quittierten das mit kräftigem Applaus. Mit noch viel mehr Beifall und stehenden Ovationen bedachten die über 80 Besucher(innen) die Darbietungen der Marpinger Künstler(innen). „Brillant“, bestehend aus Jürgen Brill, Peter Morsch und Stefan Scharle, hatte sich an diesem Abend „verstärkt“ mit Clara und Clemens Brill (beide Geige) sowie Jakob Brill (Klarinette). In bewegenden Texten und Gedichten und musikalischen Arrangements brachten sie die Zuhörer(innen) immer wieder zu spontanem Beifall. Wenn Jürgen Brill von seinem „Onkel Gerd" erzählte, so hielt er uns genial den Spiegel vor Augen, in dem wir den allgegenwärtigen Alltagsrassismus klar erkennen konnten. Wenn Clara, Clemens und Jakob Brill sich in ihren Texten und Gedichten für Menschlichkeit, Empathie und Toleranz und gegen Hetze und Hass aussprachen, waren die Zuhörer(innen) tief bewegt. „Wann, wenn nicht jetzt“ fragte Jürgen Brill mit dem berühmten Lied von Rio Reiser, sollen wir der bedrohlichen Entwicklung in unserem Land entgegentreten? Die Veranstaltung am vergangenen Freitag, dem 21. September, machte für Marpingen einen hoffnungsvollen Anfang. Den Schlusspunkt des äußerst gelungenen Konzertes setzten die Musiker(innen) mit der Hymne "Imagine" von John Lennon: „Imagine there's no countries, It isn't hard to do, Nothing to kill or die for, And no religion too, Imagine all the people living life in peace, You may say I'm a dreamer, But I'm not the only one, I hope some day you'll join us, And the world will be as one". In diesem Sinne, liebe Leser(innen) dieser Zeilen, bitten wir Sie, überall, wo sie gerade sind, gegen menschenverachtende und demokratiefeindliche Sprüche und Handlungen die Stimmen zu erheben und zu zeigen, dass eine Rückkehr in die dunklen Zeiten der 1930er und 1940er Jahre heute keine Chance mehr hat.