4. Marpinger Mühlengespräche am 16. März 2011

Zu den 4. Marpinger Mühlengesprächen konnte der Vorsitzende Erich Später zu seinem Vortrag „Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag 1939 – 1945" begrüßen.

Erich Später ist Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung im Saarland. Der Historiker und Journalist schreibt regelmäßig für die Zeitschrift „Konkret", die „Frankfurter Rundschau" und andere Publikationen. Einer seine rSchwerpunkte ist die Recherchen über Verbrechen der Deutschen in der besetzten Tschechoslowakei. Im Saarland hat er sich dadurch einen Namen gemacht, dass er u.a. den NSDAP-Mitgliedsausweis des späteren saarländischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder entdeckte und in den „Saarbrücker Heften" 2003 veröffentlichte. In dem Artikel „Das Wort des Führers ist unser Befehl, Heinrich Schneider ein deutscher Patriot" stellte er die Verstrickung führender Politiker der Heimatbund Parteien mit dem Hitler-Regime dar. Dass er Heinrich Schneider als „hohen Funktionär und Propagandist" der NSDAP bezeichnet, und ihn mitverantwortlich machte „für die organisierte Entrechtung, Ausplünderung und Vertreibung der Saarländer jüdischen Glaubens" nach der Saarabstimmung 1935 brachte ihm eine Unterlassungsklage des Sohnes von Heinrich Schneider ein, die aber erfolglos blieb. Erich Später musste seine Anschuldigung nicht zurücknehmen.

In seinem Vortragreferierte Erich Später über die "deutsche Vernichtungselite" in der Tschechei und in Prag zwischen 1939 und 1945, deren überlebende Angehörige nach dem Kriege, wie so oft in unserem Lande, gute Karrieren aufbauen konnten. Beispielhaft sei hier Hanns Martin Schleyer genannt, Er war SS- und NSDAP-Mitglied und konnte dennoch in der Bundesrepublik diese große Karriere machen. Als Arbeitgeberpräsident wurde er 1977 von der RAF ermordet. Ausdrücklich wies der Referent aber darauf in, dass man dieses Verbrechen an ihm und seinen Begleitern nicht mit dem Hinweis auf seine verbrecherischen Aktivitäten in der Nazi-Zeit rechtfertigen oder gar gutheißen könne. Verbrechen könne man nicht mit Verbrechen sühnen. Es sei eben ein Merkmal unserer Bundesrepublik, dass viele Nazis in unserem Lande Karriere machen konnten oder nahtlos ihre Laufbahn im neuen Staat fortsetzen konnten.

 

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